Jugendstil in Greiz

Der in Deutschland auch als Stilkunst um 1900 bezeichnete Jugendstil erfasste alle Bereiche der Bildenden und Angewandten Kunst. Die einzelnen Strömungen, die zwar regional unterschiedlich waren, prägten auch die Architektur. Die moderne Baukunst hat auch in Greiz Beachtliches entstehen lassen. In der Neustadt und den Vororten sind es zumeist Einzelbauten, die Baulücken füllten. So bestehen aber im Stadtzentrum auch Straßenzüge auf neu erschlossenem Terrain, die planmäßig angelegt wurden.

Große Brände vernichteten in Greiz 1902 die südliche Seite der Marktstraße und 1907 die sich am Markt anschließenden Gebäude. Bis 1910 entstand hier ein homogener Komplex von Straßenzügen in unterschiedlichen Spielarten des Jugendstils, die zu den Bedeutendsten im Greizer Stadtbild zu rechnen sind.

Schon vor der Jahrhundertwende hatte es stadtplanerische Überlegungen gegeben, den engen historischen Stadtkern zu erweitern. Die Möglichkeiten waren aber begrenzt. Besonders störend erwies sich der Verlauf der Gräßlitz, der diesen Bereich einengte. Mit der Verlegung der Gräßlitz durch den Fürstlichen Küchengarten sollte dieser missliche Umstand beseitigt werden. Der Brand am 12./13. Oktober 1902 an der Marktstraße gab den letzten Anstoß zur Realisierung, denn kurze Zeit danach wurde die Verlegung vom Gemeinderat beschlossen. Die Brandgeschädigten oder neuen Brandstellenbesitzer nutzten ausnahmslos ihre Möglichkeiten zum Neubau, was dazu führte, das an der Markt- und Thomasstraße, von 1903 bis 1908, weitgehend identische Häuserreihen entstanden. Dieser Umstand macht die eigentliche Besonderheit und Eigentümlichkeit des Greizer Jugendstils aus. Einige der 1903 gebauten Häuser weisen noch Elemente der eklektizistischen Auffassung des späten 19. Jahrhunderts auf. Es ist aber auch zu erkennen, dass die beteiligten einheimischen und auswärtigen Baumeister von den neuen Auffassungen in der Architektur beeinflusst wurden. Die aufgesetzt wirkenden Fassadenelemente werden bald durch florales Architekturdekor, das die Verbindung zum Baukörper sucht, abgelöst. Fenster und Türen werden zum Ornament, die dekorative Gestaltung erfasst die ganze Fläche bis zum Giebel. Die Treppenhausfassade des 1904 erbauten Hauses in der Burgstraße Nr. 5 kann dafür als exemplarisches Beispiel angesehen werden.

An weiteren Bauten findet man figurative Gestaltungen mit Anklängen an andere Strömungen des Jugendstils, wie Symbolismus und Heimatkunst. Letzterem ist das „Tunnelwappen“ in der Thomasstraße zuzuordnen. Die ab 1908 am Markt, der Burg- und Thomasstraße entstandenen Bauten zeigen Anklänge an die Weiterentwicklungen des Jugendstils. Als prägnantestes Beispiel ist das große farbige Mosaik am Haus Burgstraße Nr.8 zu erwähnen. Der bei seiner Arbeit dargestellte Goldschmied lässt auf den Beruf des Bauherren schließen.

Mit der Jugendstilarchitektur wurden in Greiz, ohne Anspruch auf Eigenständigkeit, deutsche und europäische Entwicklungen innerhalb der Baukunst aufgenommen. Für das Gesamtbild der Stadt war und ist es eine architektonische Bereicherung, die bis heute geblieben ist und der Stadt Greiz einen würdigen Platz unter vergleichbaren Städten gibt.

Seit Juni 2000 ist Greiz Mitglied der „ART NOVEAU ROUTE“ mit Sitz in Barcelona, einer internationalen Interessengemeinschaft von Städten mit Jugendstilarchitektur.


Tourist-Information Greiz

Burgplatz 12 / Unteres Schloss
07973 Greiz

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(03 66 1) 70 34 34
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