Hermine, Prinzessin Reuss Aelterer Linie

Geboren:       17. Dezember 1887 in Greiz

Gestorben:    07. August 1947 in Frankfurt/Oder

Prinzessin Hermine wurde als fünftes Kind und als vierte Tochter des letzten Greizer Fürstenpaares Heinrich XXII. und Ida, geb. Prinzessin Schaumburg-Lippe, geboren.

Hermine heiratete 1907 den Prinzen Johann-Georg von Schoenaich-Carolath. Bereits mit 33 Jahren verwitwet, lebte sie mit ihren vier kleinen Kindern weit entfernt von allen nächsten Verwandten in Saabor (Zabor) an der Ostgrenze des Deutschen Reiches. Bald nach dem Tod der Kaiserin Auguste Viktoria im Jahr 1921 trug sich der abgedankte deutsche Kaiser Wilhelm II. von Preußen mit dem Gedanken, sich wieder zu verheiraten. Am 9. Juni 1922 traf Hermine erstmals im Haus Doorn, dem niederländischen Exil des Kaisers, ein. Zuvor war durch einen längeren Briefwechsel dieser Tag vorbereitet worden. Wie der Kaiser später erzählte, war der Kontakt zu Hermine dank der Ratschläge des Kronprinzen Wilhelm und des Grafen Moltke entstanden. Inzwischen arbeitete man hinter den Kulissen daran, den Kaiser im Interesse der Monarchie von der Heirat abzubringen. Dieser ließ aber nicht an seinen Absichten rütteln. Die Vermählung des Kaisers Wilhelm II. und der Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath, Prinzessin Reuß ä.L., fand am 05. November 1922 im Haus Doorn statt. Als ehrgeizige und geschäftstüchtige Frau schrieb Hermine einer Freundin: „Ich werde das furchtbare Schicksal des Kaisers wenn nicht erleichtern, so doch mit ihm tragen.“ Die holländische Regierung hatte dem Ex-Kaiser politische Betätigung verboten und die Aufenthaltsgenehmigung auf Doorn beschränkt. Von dort unterstützte Wilhelm II. die antidemokratische Bewegung im Reich. Hermine stand ihm darin jederzeit zur Seite. Unter den Linden in Berlin hielt Hermine in Vertretung ihres entthronten Gatten alljährlich glanzvolle Empfänge ab. In Doorn gab sie Presseinterviews und verteidigte in geharnischten Briefen die Politik Wilhelm II. Der Kaiser und seine Frau Hermine erhofften sich von den Nationalsozialisten eine Renaissance des Kaiserreiches. Am 17. Juni 1940 schreibt Hermine dem Leipziger Verleger Dr. Köhler, dass ihr Gatte „die unerhörten militärischen Erfolge des Führers“ mit „ganzem Herzen“ begrüße. Erst als seine Illusionen platzten, kühlte sich Wilhelms II. Verhältnis zum Faschismus merklich ab. Nach dem Tod Wilhelms II. am 04. Juni 1941 nahm Hermine wieder ihren Wohnsitz in Fürsteneich (Saabor) im Kreis Grünberg ein. Als sich die deutschen Truppen Anfang 1945 nach Westen zurückzogen, floh sie über Umwege nach Roßla im Harz zu ihrer Schwester Ida, Fürstin zu Stolberg-Roßla. Auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht wurde Hermine zuerst im Oktober 1945 nach Berlin und im Januar 1946 nach Frankfurt/Oder gebracht. Die Frankfurter Stadtverwaltung bekam Befehl, Prinzessin Hermine, die Witwe des letzten deutschen Kaisers, in der Stadt unterzubringen. Die Witwe Wilhelm II. stand unter ständiger Aufsicht. Am 07. August 1947 verstarb Hermine in Frankfurt/Oder. Die Beisetzung erfolgte am 15. August 1947 neben der Kaiserin Auguste Viktoria im Antiken Tempel im Park von Sanssouci.

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