Besondere Bauwerke in Greiz - Ein Stadtrundgang

Jede Stadt hat Ihre eigenen architektonischen und landschaftlichen Reize, geprägt von einer eigenen Kultur...  

...Nun gilt es diese Reize auf vielfältigste Art und Weise zu erkunden.

Unteres Schloss

Im Jahr 1564 kam es aufgrund der Erbfolge zur Teilung der Herrschaft der Reußen in Ober- und Untergreiz. Für die neu entstandene Untergreizer Linie wurde als Residenz ein Renaissancebau im Zentrum der Stadt errichtet. Nach Erweiterungen erhielt der Bau die Bezeichnung „Neues Schloss“, „Neue Burg“ oder „Unteres Schloss“. 1768 starb die Untergreizer Linie aus. Es entstand die Herrschaft „Reuß älterer Linie“, die 1778 in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben wurde. Fortan wählten die regierenden Fürsten das Untere Schloss als ihre Residenz.

Der verheerende Stadtbrand vom 6. April 1802 ließ auch das Untere Schloss nicht verschont. Der Wiederaufbau erfolgte bis 1809 im strengen klassizistischen Stil. Hierbei wurden die Repräsentationsräume mit wertvollen Stukkaturen ausgeschmückt. Zu einem Glanzstück wurde der Festsaal – heute Weißer Saal. 1884/85 fand die letzte bauliche Erweiterung statt. Es wurden der Südflügel mit dem Zwiebelturm und weitere repräsentative Räume angebaut. Der letzte Nachkomme, Fürst Heinrich XXIV., erhielt das Wohnrecht im Unteren Schloss bis zu seinem Tod im Jahr 1927.

Seit 1929 befindet sich in den Räumen des Unteren Schlosses das Museum. Der Besucher kann sich heute an den restaurierten Repräsentationsräumen und an wechselnden Ausstellungen zu den verschiedensten Themen erfreuen.

Am 13. September 1998 eröffnete in einem Seitenflügel des Unteren Schlosses die Schauwerkstatt „Greizer Textil – Vom Handwerk bis zur Industrie“ als eine Reminiszenz an die Greizer Textilgeschichte.

Weitere Räumlichkeiten des Unteren Schlosses werden von der Tourist-Information Greiz, der Musikschule „Bernhard Stavenhagen“ und einem Restaurant genutzt.

Oberes Schloss

Ältestes Wahrzeichen der Stadt

Das Obere Schloss ist ein weithin bekanntes, architektonisch wertvolles und markantes Kulturdenkmal, das jeden Betrachter in seinen Bann zieht. Als Wahrzeichen vergangener deutscher Geschichte gibt es dem reizvollen Greizer Landschaftsbild im Tal der Weißen Elster ein charakteristisches Gepräge.

Vom Süden her erscheint das Obere Schloss als einfaches „Hohes Haus“. Vor allem die wirkungsvollen Renaissancegiebel des Ostflügels lassen den schlossartigen Charakter der Anlage erahnen, während vom Norden und Westen  das Obere Schloss bis heute wie eine mittelalterliche Burg wirkt. Die mehr oder minder zusammenhängenden Gebäude des umfangreichen Komplexes erstrecken sich in Form einer Ellipse von NNW nach SSW und erheben sich in der gleichen Richtung, während ein Querflügel in OW-Richtung den Innenraum abteilt.

Bereits in die Jahre 1209 und 1225 fallen die ersten urkundlichen Erwähnungen einer Greizer Burganlage auf dem 50 Meter hohen Bergkegel aus Tonschieferfels (1188 eine Burg auf dem Schlossberg nachweisbar).

Als ehemalige Burganlage der Vögte von Weida und Plauen zeigt das Obere Schloss heute noch an einigen wenigen Stellen Reste der alten Burgbefestigung. Einst umgab eine Mauer mit Schießscharten die Feste. Dazwischen lag ein Zwinger, der auf der Südseite zum Teil noch erhalten ist. Von einem südlichen Ausgang führte über eine Brücke ein Verbindungsweg zu einem Turmgebäude, dass sich an der südlichsten Spitze des Berges befand. Nach dieser "Schanze" wird der dortige Garten heute als "Untere Schanze" bezeichnet.

Seit dem beginnenden 13. Jahrhundert war die Burg Residenz der Vögte von Weida und Plauen und später der reußischen Herren. Nach einem Blitzschlag am 3. Juni 1540 brannte sie fast vollständig nieder und wurde anschließend sofort wieder neu errichtet.

Von ca. 1620 bis 1625 erhielt der Bergfried auf dem isolierten Felskegel seine jetzige Gestalt. Die Umgestaltung der Burg zur gräflichen Residenz erfolgte von 1697 bis 1714. Dabei wurde u.a. der größte Teil der Wehranlage beseitigt. Durch zahlreiche Neu- und Anbauten im spätbarocken Stil entstand in den Jahren 1733 bis 1753 der untere Schlosshof in seiner heutigen Gestalt. In einer Stadtansicht von 1714 ist erstmals der Zufahrtsweg zum Oberen Schloss von der Stadt aus zu sehen. Dieser Weg entstand in der Zeit von 1705 bis 1737 in seiner heutigen Form. Der ältere Haupteingang zur Burg befand sich am heutigen "Stelzentor". Die Auffahrt zur Burg war ursprünglich nur von der Parkgasse aus möglich.

Nach dem Umzug der reußischen Fürsten 1809 in das, nach dem Stadtbrand von 1802, wieder aufgebaute Untere Schloss, wurde das Obere Schloss Sitz der Regierungsbehörden des Fürstentums Reuß älterer Linie. Dieses Fürstentum war übrigens die flächenmäßig kleinste deutsche Monarchie des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreiches. Im Zuge der Novemberrevolution 1918 dankten Fürst und Landesregierung ab und das Obere Schloss wurde per Auseinandersetzungsvertrag in den Besitz  des Volksstaates Reuß überführt.

Schon im 19. Jahrhundert beherbergte das Obere Schloss viele Wohnungen. Bereits im Jahr 1884 erhielten die Einwohner den Status einer eigenen „Schlossgemeinde“ mit eigenem Bürgermeister und Selbstverwaltung. Erst 1919 wurde diese „Schlossgemeinde“ wieder in die Stadt Greiz eingegliedert. Noch heute dient ein Teil der Gebäude zu Wohnzwecken.

Im November 2010 eröffnete das Museum Oberes Schloss Greiz mit der Dauerausstellung "Vom Land der Vögte zum Fürstentum Reuß älterer Linie". Diese thematisiert die Geschichte der Vögte, der Herren, Reichsgrafen und Reichsfürsten Reuß sowie die damit verbundene kleinstaatliche Residenzkultur unter Bezugnahme zu regional bedeutsamen historischen Ereignissen. Eine architektonische Kostbarkeit des Museums ist die Romanische Doppelkapelle aus dem 12. Jahrhundert. Sie bildet einen bauhistorischen Beleg für die herausragende Bedeutung der Greizer Burganlage im 12. Jahrhundert.

Sommerpalais im Fürstlich Greizer Park

Aus der Entstehungszeit des Sommerpalais sind nur wenige Quellen erhalten. Sicher ist, dass die noch erhaltene bauplastische Ausstattung aus den späten siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts stammt. In einer Gedenktafel zur Greizer Geschichte heißt es nämlich am 1.6.1779: „Der regierende Fürst Heinrich XI. läßt das Sommerpalais ausbauen und mit Stuckarbeiten, Tapeten etc. schmücken.“

Heinrich XI. Reuss Aelterer Linie (1722-1800) nahm vermutlich seinen gesellschaftlichen Aufstieg – er wurde 1778 von Kaiser Joseph II. in den Reichsfürstenstand erhoben – zum Anlass, den Innenausbau des bereits existierenden Schlosses zu verändern und so den angemessenen äußeren Rahmen zu schaffen, der der neuen Würde des Landesherren entsprach.  Die Gewölbeformen und Blendbögen im Erdgeschoss bestätigen, dass das Gebäude kein Neubau der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts ist. Der Bau geht auf die Jahre 1768/69 zurück. 1768 beerbte Heinrich XI. Reuss die Ältere Linie Untergreiz und ließ in diesem Zuge eine neue Sommerresidenz errichten. Pläne und Radierungen zeigen, dass es im Greizer Park an der Stelle des heutigen Sommerpalais bereits zuvor ein dreiflügeliges Gebäude gab.  Der für Wissenschaft und Kunst aufgeschlossene, weitgereiste Fürst hatte für den Neubau zunächst einen eher konservativen Entwurf bevorzugt, für den Umbau jedoch entschied er sich für französische Vorbilder und spiegelte damit seine persönliche Vorliebe für die damals international moderne Architektur wider. Damit ist das Sommerpalais ein ungewöhnlich frühes Beispiel für die Rezeption des Louis XVI. und für den Frühklassizismus im mitteldeutschen Raum. 

Drei Stufen führen durch das Hauptportal in den Gartensaal. Diese ehemalige Orangerie wurde im 18. und 19. Jahrhundert für Feste, Theateraufführungen und Konzerte genutzt. Heute dient der Saal der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung als Raum für Ausstellungen und Konzerte. Der Gartensaal ist 36 Meter lang und sieben Meter breit. Seine Decke wird durch zwei Säulen gestützt. Die Stuckierung – zarte Reliefs in geteilten Wandfeldern, in denen abwechselnd Gartengeräte sowie Theaterrequisiten und Musikinstrumente dargestellt sind – stammt aus den Jahren 1782/83. Dem Portal gegenüber befindet sich ein Kamin, in dessen Feuerstelle eine gusseiserne Platte mit dem reußischen Wappen mit geschlossener Krone und der Jahreszahl 1783 angebracht ist. 

Links und rechts des Kamins führen zwei Türen zum eigentlichen Eingangstrakt des Museums und durch das Treppenhaus, einem Einbau aus dem frühen 20. Jahrhundert, in die Beletage.  Die fürstlichen Repräsentationsräume auf der Südseite bestehen aus dem Festsaal und den durch eine Enfilade verbundenen Kabinetten und Antichambres. Der Festsaal ist um das Mezzaningeschoss erhöht und reich stuckiert. Die daneben liegenden Kabinette sind ebenfalls stuckiert; als Supraporten dienen Girlandenmotive und Puttendarstellungen; (Allegorien der Malerei und der Bildhauerei im westlichen Kabinett; Allegorien von Ackerbau und Viehzucht im östlichen Kabinett). Die gusseisernen Platten in den Feuerstellen der offenen Kamine dieser Räume tragen die Initialen Heinrichs XI., darunter das reußische Wappen und die Jahreszahl 1769.  Auf der Nordseite befinden sich kleinere Räume, darunter das Chinesische Zimmer, das fürstliche Schlafzimmer und der Speisesaal, der heute als Schaubibliothek genutzt wird. Im Mezzaningeschoss, den früheren Wohnräumen der Fürstenfamilie, sind heute die Bibliothek, der Lesesaal und die Restaurierungswerkstatt untergebracht.

Die fürstliche Familie ließ bei ihrem Auszug aus dem Sommerpalais keine Möbel oder anderen Ausstattungsstücke zurück. Die heutige Möblierung der Beletage besteht zum großen Teil aus der ersten Museumsausstattung der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Einige Teile wurden in den frühen neunziger Jahren nachgefertigt. 

Das Sommerpalais liegt inmitten des denkmalgeschützten Fürstllich Greizer Parks. Seit 1994 gehört dieses national bedeutsame Denkmalensemble zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die das Gebäude von 2005 bis 2011 grundhaft sanierte.

Seit 1922 beherbergt das Sommerpalais die Staatliche Bücher- und Kupferstichsammlung, eine „Stiftung der Älteren Linie des Hauses Reuß“. Der wertvollste Teil dieser auf dem europäischen Festland einmaligen Sammlung stammt aus dem Nachlass der englischen Prinzessin Elisabeth (1770 – 1840), der späteren Landgräfin von Hessen Homburg. 1975 wurde als eine eigene Abteilung des Museums das Greizer SATIRICUM gegründet. Voraussetzung dafür war ein umfangreicher Fundus von Karikaturen der vergangenen 300 Jahre aus ehemaligem fürstlichen Besitz.

Fürstlich Greizer Park

Am rechten Elsterufer liegt der Landschaftspark von besonderer kulturhistorischer Bedeutung und hohem künstlerischen Wert: der Fürstlich Greizer Park.

Die Geschichte des Greizer Parks reicht bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Anfänglich befand sich am Fuße des Greizer Schlossbergs bis hin zur Weißen Elster ein Küchengarten, der jedoch durch die Herrschaft wenig genutzt wurde. Erst mit dem Bau eines Vorgängergebäudes des heutigen Sommerpalais um 1714 kam es auch zur Gestaltung der Gartenanlage.

Ab 1800 ließ Fürst Heinrich XIII. Reuss Aelterer Linie (1747–1817) den Park nach englischem Vorbild neu anlegen. Heinrich XIX. Reuss Aelterer Linie (1790–1836) engagierte für umfangreiche Arbeiten den kaiserlich-königlichen Schlosshauptmann Johann Michael Riedl von Leuenburg aus Laxenburg bei Wien. Die nächsten gestalterischen Impulse für den Landschaftsgarten kamen schließlich im Zuge des Eisenbahnbaus vom berühmten Muskauer Gartendirektor Carl Eduard Petzold. Dieser erhielt 1872 den Auftrag, Pläne für den Park und die Bahnmaskierung zu entwickeln. Petzolds Pläne wurden von seinem Schüler Rudolph Reinecken abgewandelt. Ab 1873 prägte Reinecken, der insgesamt 50 Jahre in Greiz wirkte, die Entwicklung des Parks nachhaltig.  Seit 1994 gehört dieses national bedeutsame Denkmalensemble zur Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten.

Dieser großräumige romantische Landschaftspark umfasst heute eine Fläche von ca. 45 ha. Mit einer Vielzahl dendrologischer Besonderheiten und einer artenreichen Vogelwelt bietet er den Greizer Bürgern und ihren Gästen zu jeder Jahreszeit Freude und Entspannung.

Nicht zu vergessen sind während eines Spazierganges um den See die reizvollen Blicke zu markanten Aussichtspunkten rundum, die eine Assoziation zwischen Park und Landschaft herstellen.

Zur substantiellen Erhaltung, laufenden Pflege und gärtnerischen Entwicklung des Fürstlich Greizer Parks haben sich interessierte Laien zusammengefunden und den Verein "Freundeskreis Greizer Park e.V."  gegründet. Insbesondere dessen gartenhistorische, stadtbildprägende und naturschutzfachliche Bedeutung sollen in der öffentlichen Wahrnehmung gestärkt werden.

Stadtkirche St. Marien

Im Jahr 1225 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Greiz, als der Bischof Engelhard von Naumburg in einem Rechtsstreit das Patronat über die Kirchen den Vögten von Weida zusprach.

Als Anbau an das Untere Schloss (mit dem Turm an der Ostfassade über dem Chor) erfolgte im Jahr 1736 der Bau einer Hofkirche im klassizistischen Stil durch den sächsischen Landbaumeister Christian Friedrich Schuricht.  Mit dem Unteren Schloss und dem Gymnasium bildet die Stadtkirche, als ehemalige Hofkirche der Fürsten Reuß älterer Linie, ein einzigartiges klassizistisches Ensemble.

Die Stadtkirche St. Marien wurde 1805 nach dem großen Stadtbrand von 1802, bei dem die vorhandene Silbermannorgel zerstört wurde, wieder aufgebaut. Der Turm  (64 m hoch) wurde vorbildgetreu wiedererrichtet, die Turmhaube erhielt er erst 1827. Das Innere der dreischiffigen Kirche wird durch mächtige korinthische Säulen unterteilt, zwischen denen drei Emporengeschosse lagern. Mit den drei Emporen bietet die Kirche heute Platz für ca. 1.000 Besucher.

Auf der ersten Empore erinnert der Prunksarg Heinrich VI., Graf Reuß-Obergreiz (1649-1697), an den in der Türkenschlacht bei Zenta 1697 gefallenen Greizer Helden, welcher sich seit 1941 in einer kleinen Gedenkkapelle  befindet. Den Ostabschluss dieser einstmaligen Hofkirche krönt ein Kanzelaltar mit reicher klassizistischer Ausstattung. Die Stadtkirche St. Marien erhielt 1881 eine Kreutzbach-Orgel, die die Gebrüder Jehmlich aus Dresden 1919 umgebaut und erweitert haben. Sie ist eine der größten Orgeln im Thüringer Raum.

Die Hauptwache "Alte Wache"

Die „Alte Wache“, wie die Hauptwache im Volksmund genannt wird, wurde im Jahr 1819 unter der Herrschaft des Fürsten Heinrich XIX. Reuss Aelterer Linie (1790–1836) erbaut. Wie das gegenüberliegende Untere Schloss, wirkt sie durch ihre klassizistische Schlichtheit. Der vorgezogene Giebel, in dessen Front das Große Wappen der Fürsten Reuß älterer Linie mit den Initialen „H XIX FR“ (Heinrich der Neunzehnte, Fürst Reuß) prangt, wird von vier dorischen Säulen getragen. Das Wappen wird von zwei Löwen der Plauener Vögte gehalten. Die beiden Kraniche lassen erkennen, dass die Herrschaft Kranichfeld zeitweilig den Reußen gehörte.

Bis zum Jahr 1866 versah das Militär von Reuß-Greiz hier den Wachdienst und von dieser Zeit an bis zum Ersten Weltkrieg ein Kommando des Geraer Infanterieregiments 96. Im Jahr 1918 verlor die Greizer Hauptwache durch die Abdankung des Fürsten in der Novemberrevolution ihren Zweck.

In der Folgezeit wechselte sie mehrmals die Funktion. So hatte z.B. bis 1993 das Fremdenverkehrsamt seinen Sitz in der „Alten Wache“. Gegenwärtig wird die Hauptwache als Trauungssaal des Greizer Standesamtes genutzt.

Schanzengarten

Unter Heinrich XI. Reuss Aelterer Linie (1722 - 1800) entstand 1751 der Schanzengarten des Oberen Schlosses im französischen Stil mit Pavillon. Die Sandsteinfigur "Fortuna" wurde einige Jahre später aufgestellt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts führte der Garten zeitweise, nach der auf dem Schloss wohnenden Witwe des Fürsten Heinrich XIX. Reuss Aelterer Linie (1790 - 1836) den Namen "Gasparinengarten".

Besonderer Blickfang des Schanzengartens ist das Schanzenrondell, das im Jahr 1751 im Rokokostil errichtet wurde. Die Inschrift am Friesstreifen bedeutet sinngemäß: „Nach dem Brande entstand an dieser Stelle durch Heinrich XI. Reuß als Curator zur Ergötzung dieses Lusthaus im Jahre 1751.“

Vom Schanzengarten, als auch vom darüber liegenden Garten aus, bietet sich ein einzigartige Blick auf das fürstlich vogtländische Greiz.

Dem Südflügel des Oberen Schlosses zugewandt, lässt den aufmerksamen Betrachter eine Attraktion erkennen: drei nach historischem Vorbild 1994 rekonstruierte Wasserspeier in Gestalt von Drachen.

Schlossgarten

Nach zweijähriger Neugestaltung wurden 1999 der Schlossgarten unterhalb des Unteren Schlosses sowie die Arkaden der Öffentlichkeit übergeben.

Anlehnend an historische Pläne wurde die Rekonstruktion des gesamten Areals vorgenommen. Sehenswert ist die Mühlgrabenbrücke an der ehemaligen Stadtmühle.

Rathaus und Marktplatz

Erstmals urkundlich erwähnt, wurde ein Greizer Rathaus im Jahr 1564. 1610 fiel dieses einem Brand zum Opfer und wurde sofort neu errichtet. Den Turm mit der Uhr erhielt das Haus 1641. Das alte Rathaus wurde bei dem großen Stadtband von 1802 vernichtet. Bis in die 1840er Jahre dauerte es bis zu seiner Wiedererrichtung.

Das heutige Gebäude im neugotischen Stil, mit seinem markanten viereckigen Turm und den Fialen (gotischen Spitztürmchen), wurde in den Jahren 1840 bis 1842 wieder aufgebaut und 1909 durch einen Anbau, der heute den großen Sitzungssaal und weitere Räume beherbergt, ergänzt.

Besonders auffällig ist der Greizer Marktplatz mit dem Marktbrunnen in seiner Dreiecksform. Die im Marktbereich vorhandenen geschlossenen Jugendstilensembles stellen ein Denkmal dieser Architekturepoche dar.

Jugendstil in Greiz

Der in Deutschland auch als Stilkunst um 1900 bezeichnete Jugendstil erfasste alle Bereiche der Bildenden und Angewandten Kunst. Die einzelnen Strömungen, die zwar regional unterschiedlich waren, prägten auch die Architektur. Die moderne Baukunst hat auch in Greiz Beachtliches entstehen lassen. In der Neustadt und den Vororten sind es zumeist Einzelbauten, die Baulücken füllten. So bestehen aber im Stadtzentrum auch Straßenzüge auf neu erschlossenem Terrain, die planmäßig angelegt wurden.

Große Brände vernichteten in Greiz 1902 die südliche Seite der Marktstraße und 1907 die sich am Markt anschließenden Gebäude. Bis 1910 entstand hier ein homogener Komplex von Straßenzügen in unterschiedlichen Spielarten des Jugendstils, die zu den Bedeutendsten im Greizer Stadtbild zu rechnen sind.

Schon vor der Jahrhundertwende hatte es stadtplanerische Überlegungen gegeben, den engen historischen Stadtkern zu erweitern. Die Möglichkeiten waren aber begrenzt. Besonders störend erwies sich der Verlauf der Gräßlitz, der diesen Bereich einengte. Mit der Verlegung der Gräßlitz durch den Fürstlichen Küchengarten sollte dieser missliche Umstand beseitigt werden. Der Brand am 12./13. Oktober 1902 an der Marktstraße gab den letzten Anstoß zur Realisierung, denn kurze Zeit danach wurde die Verlegung vom Gemeinderat beschlossen. Die Brandgeschädigten oder neuen Brandstellenbesitzer nutzten ausnahmslos ihre Möglichkeiten zum Neubau, was dazu führte, das an der Markt- und Thomasstraße, von 1903 bis 1908, weitgehend identische Häuserreihen entstanden. Dieser Umstand macht die eigentliche Besonderheit und Eigentümlichkeit des Greizer Jugendstils aus. Einige der 1903 gebauten Häuser weisen noch Elemente der eklektizistischen Auffassung des späten 19. Jahrhunderts auf. Es ist aber auch zu erkennen, dass die beteiligten einheimischen und auswärtigen Baumeister von den neuen Auffassungen in der Architektur beeinflusst wurden. Die aufgesetzt wirkenden Fassadenelemente werden bald durch florales Architekturdekor, das die Verbindung zum Baukörper sucht, abgelöst. Fenster und Türen werden zum Ornament, die dekorative Gestaltung erfasst die ganze Fläche bis zum Giebel. Die Treppenhausfassade des 1904 erbauten Hauses in der Burgstraße Nr. 5 kann dafür als exemplarisches Beispiel angesehen werden.

An weiteren Bauten findet man figurative Gestaltungen mit Anklängen an andere Strömungen des Jugendstils, wie Symbolismus und Heimatkunst. Letzterem ist das „Tunnelwappen“ in der Thomasstraße zuzuordnen. Die ab 1908 am Markt, der Burg- und Thomasstraße entstandenen Bauten zeigen Anklänge an die Weiterentwicklungen des Jugendstils. Als prägnantestes Beispiel ist das große farbige Mosaik am Haus Burgstraße Nr.8 zu erwähnen. Der bei seiner Arbeit dargestellte Goldschmied lässt auf den Beruf des Bauherren schließen.

Mit der Jugendstilarchitektur wurden in Greiz, ohne Anspruch auf Eigenständigkeit, deutsche und europäische Entwicklungen innerhalb der Baukunst aufgenommen. Für das Gesamtbild der Stadt war und ist es eine architektonische Bereicherung, die bis heute geblieben ist und der Stadt Greiz einen würdigen Platz unter vergleichbaren Städten gibt.

Seit Juni 2000 ist Greiz Mitglied der „ART NOVEAU ROUTE“ mit Sitz in Barcelona, einer internationalen Interessengemeinschaft von Städten mit Jugendstilarchitektur.

Marktbrunnen

Aufgrund fehlender schriftlicher Quellen lässt sich die Geschichte des Greizer Marktbrunnens nicht belegen. Es ist davon auszugehen, dass bereits im Jahr 1614 ein einfacher Brunnen existiert haben muss. Nach dem Stadtbrand von 1802 bekam der bis dahin hölzerne Marktbrunnen eine Steinfassung. Nach dem Bau der städtischen Wasserleitung 1883, wurde der Brunnen kaum noch genutzt und deshalb im Jahr 1884 entfernt.

Bei Bauarbeiten im Bereich des Greizer Marktes stieß man im Jahr 1993 auf die Reste des alten Marktbrunnens. Ermittelt wurde, dass er eine Tiefe von ca. 4 m und einen Durchmesser von 1,80 m besaß. Nach alten Abbildungen (Stadtansichten) wurde der Brunnen 1993 rekonstruiert und eingeweiht. 2005 wurde die bestehende moderne Brunnensäule durch eine nach historischen Vorlagen gefertigte Nachbildung ausgetauscht. Am Brunnen ist eine Tafel, mit der Inschrift „Wasser ist Leben“, angebracht.

Röhrenbrunnen

Er ist der einzig erhaltene Brunnen aus dem alten Greiz. Erbaut wurde er um 1820 und seine granite Einfassung in Achteckform erhielt er 1840.

Durch Holzröhren wurde damals das Wasser aus der Quelle             St. Adelheid in die Stadt geleitet. Dieser Quelle sagte man in früherer Zeit eine große Heilwirkung nach. Heute ist der Brunnen an eine Umlaufanlage angeschlossen.

Puschkinplatz

Durch ihn floss einstmals, im offenen Flussbett, die Gräßlitz. Links des kleinen Flusses befand sich damals der Topfmarkt und rechts der Neumarkt.

Nach seiner grundhaften Instandsetzung ist er heute das Zentrum der Altstadt mit zentralem Bushalteplatz.

von-Westernhagen-Platz

Seinen Namen erhielt dieser Platz in Gedenken an den Hauptmann Kurt von Westernhagen. Als Offizier der Wehrmacht erkannte er die Sinnlosigkeit von Befehlen, z.B. die Zerstörung von Brücken und Eisenbahntunneln in Greiz. Hauptmann von Westernhagen handelte in diesem Sinne, indem er seine Soldaten in Gefangenschaft zu den Amerikanern schickte. Daraufhin wurde er von einem SS-Kommando in den Mittagsstunden des 14. April 1945 als „Deserteur“ standrechtlich auf diesem Platz erschossen. Eine Gedenktafel erinnert an Hauptmann von Westernhagen.

Ehemaliges Gymnasium/ Lyzeum

Neben dem Unteren Schloss und der Stadtkirche ergänzen das ehemalige Lyzeum und das Gymnasium, heute Sitz der Lessing-Regelschule, das innerstädtische klassizistische Ensemble. Das Gymnasium wurde im Jahr 1874 erbaut und als solches ein Jahr später eingeweiht.

Nach umfangreicher Rekonstruktion erhielt 1993 die Stadt- und Kreisbibliothek Greiz im Lyzeum ihr neues Domizil

Geburtshaus von Bernhard Stavenhagen

Das Geburtshaus befindet sich in der Brauhausgasse/Ecke von-Westernhagen-Platz. Bernhard Stavenhagen wurde am 24. November 1862 in Greiz geboren. Er gehörte um die Jahrhundertwende zu den namhaften Persönlichkeiten des internationalen Musiklebens und ging als Meisterschüler von Franz Liszt als ein hervorragender Pianist und Komponist in die Musikgeschichte ein.

Ihm zu Ehren findet alljährlich im November der Stavenhagen-Wettbewerb der Stadt Greiz statt. Die Musikschule trägt heute seinen Namen.

Schlossbergtunnel

Von 1871 bis 1875 erfolgte der Bau der Elstertalbahn und des Schlossbergtunnels. Ursprünglich war der Verlauf der Bahnstrecke durch den Fürstlichen Park geplant, doch der regierende Fürst Heinrich XXII. lehnte dies ab und genehmigte den Bau des Tunnels durch den Schlossberg. Mit dem Bau der Bahnstrecke war das weitere Aufblühen von Handel und Industrie in der Stadt Greiz ermöglicht worden. Der 270 m lange Tunnel war bereits im Jahr 1874 fertiggestellt. Heute verkehren in den Monaten September und Oktober an den Wochenenden Dampfloks, nachdem die letzte planmäßige Dampflok 1975 fuhr.

Greizer Felsenkeller

Die Greizer Felsenkelleranlage, die durch Privatpersonen oder durch Kleinunternehmen vom 17. bis 18. Jahrhundert entstanden ist, befindet sich im unteren Teil des Greizer Schlossberges. Für den Bau der Keller wurden Bittbriefe an den Fürsten gestellt, der über Pachtverträge die Unterhöhlung des Schlossberges erlaubte.

Die Keller wurden einzeln, jeder für sich, in unterschiedlicher Größe und Länge in den Berg getrieben. In diesen sind noch die einzelnen Meißelschläge gut zu erkennen und zeugen von der mühevollen Arbeit der Errichter. Insgesamt wurden 19 Bergkeller im Aufgangsbereich des Schlossberges geschaffen. Genutzt wurden diese zu Lagerzwecken von Lebensmitteln, Bier und Chemikalien. Die Nutzfläche der Keller beträgt ca. 900 m² mit einem Nutzungsvolumen von ca. 2000 m³.

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