Ausstellung vom 30.09.2018 - 17.03.2019


„AN DAS REUSSISCHE VOLK!“

„[…] In einer Zeit, ebenso groß und erhebend durch die schnellen unblutigen revolutionären Errungenschaften, wie schwer und drückend durch die Wirkungen des langen blutigen Krieges können die Unterzeichneten die Schwierigkeiten, die sich die Ausführung ihres Auftrages entgegen stellen, nicht gering schätzen. Sie vertrauen dabei darauf, dass die Behörden und Beamten des Landes ihnen in unverdrossener Mitarbeit und Pflichterfüllung zur Seite stehen werden. […]“

Dieser Aufruf wurde am 12. November 1918 von der neuen Landesregierung des Freistaates Reuß älterer Linie – P. Kiß, W. Oberländer, A. Drechsler – im Amts- und Verordnungsblatt abgedruckt.

Alle politischen Veränderungen tragen bis heute den Keim der Hoffnung in sich. Dem Geknechteten erscheint es als Segen, dem der autoritären Macht Nahestehenden erscheint es verunsichernd oder beängstigend.

Erst vor 100 Jahren wurde durch die Folgen eines weltumspannenden Krieges sowie in Folge von Hunger und Not die Monarchie in Deutschland abgeschafft. Das Land Fürstentum Reuß älterer Linie hieß nunmehr Freistaat Reuß älterer Linie.

Die neue Sonderausstellung der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz widmet sich im Museum im Unteren Schloss vordergründig den Ereignissen zwischen 1918 bis 1919  in der Landeshauptstadt Greiz.

Ausgehend von den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, über die Ereignisse der Befehlsverweigerung auf der "SMS Thüringen" vom 30. Und 31. Oktober 1918 wird dieser zeitliche Rahmen bis 1919 thematisiert.

Wie verliefen die revolutionären Ereignisse in Greiz, der Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie?

Es war eine unblutige Revolution.

Vertreter der Fürstlichen Landesregierung und revolutionäre Wortführer kamen zu Gesprächen über die politische Zukunft des kleinsten deutschen Bundesstaates zusammen. Im Ergebnis dieser Verhandlungen erklärte am 11. November 1918 auf Schloss Osterstein zu Gera Fürst Heinrich XXVII. Juengerer Linie Reuss in seiner Eigenschaft als Regent des Fürstentums Reuß älterer Linie für den nicht regierungsfähigen Fürsten Heinrich XXIV. Reuss Aelterer Linie den Thronverzicht und entband die Beamten und Geistlichen des Fürstentums von ihrem Treueeid. Die Fürstliche Landesregierung trat zurück, blieb aber noch einige Zeit unterstützend im Amt.

Aus dem Fürstentum Reuß älterer Linie wurde der Freistaat Reuß älterer Linie. Analog war dies auch in Reuß jüngerer Linie so geschehen. Beide Freistaaten vereinigten sich zum Volkstaat Reuß, der 1920 Bestandteil Thüringens wurde.

Die Greizer Sonderausstellung beschränkt sich ganz bewusst auf die Ereignisse in der Landeshauptstadt des Fürstentums Reuß älterer Linie, denn 100 Jahre ist eine überschaubare Zeit – viele Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung sind über 80 Jahre jung. Hingegen überschatten die schrecklichen Katastrophen und Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die dem Ende des Fürstentums Reuß älterer Linie sowie dem Ende der Monarchie folgten,  in unserer kollektiven Wahrnehmung so deutlich, dass die Ereignisse von 1918 im Rückspiegel der Geschichte als weite Entfernung erscheinen.

Die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz stellen sich mit dieser Ausstellung gegen das Vergessen der ungeheuerlichen Opfer des Ersten Weltkrieges sowie der Opfer von unfassbar vielen Kriegen, die diesem seit 1918 folgten.

Sonderveranstaltungen zur Ausstellung in Greiz:
06.11.2018    "Die Revolution rollt", Ankunft der Revolution am Bahnhof Greiz
08.11.2018    "Die Revolution im Reußenland - Von der Monarchie zur Republik",  Vortrag von Thomas Frantzke, Leipzig