Industriegeschichte Rothenthal – Wo Greizer Textilgeschichte begann
Rothenthal gilt als die Wiege der industriellen Textilproduktion in der Region Greiz. Bereits 1804 entstand hier mit der Kattundruckerei Rother der erste industrielle Textilbetrieb – eine bahnbrechende Entwicklung, die unter Fürst Heinrich XIII. Reuß älterer Linie durch die Umnutzung des Schlosses Rothenthal ihren Anfang nahm.
Die Anfänge – Karl Friedrich Rother und der Kattundruck
In den Gebäuden des ehemaligen fürstlichen Kammerguts gründete Karl Friedrich Rother (1780–1844) eine Kattundruckerei, die 1811 offiziell belegt ist. Bedruckte Baumwollstoffe – sogenannte Kattune – waren begehrte Exportgüter, insbesondere in den Orient, nach Osteuropa und Italien. Die Produktion war aufwendig: Von Hand oder mithilfe importierter Walzendruckmaschinen entstanden kunstvoll verzierte Stoffe. Dabei war auch Kinderarbeit weit verbreitet – sogenannte „Streichkinder“ trugen z. B. den Indigofarbstoff auf.
Wachstum & soziale Herausforderungen
Um 1850 erreichte die Kattundruckerei ihren Höhepunkt – mit hohen Beschäftigtenzahlen, insbesondere Druckern und Formstechern. Ein Versuch, einen sozialen Innungsverband zu gründen, wurde jedoch von den Fabrikanten wie auch der Regierung unterdrückt. Die Mechanisierung schritt voran, bis der Industriezweig gegen Ende des 19. Jahrhunderts schließlich zum Erliegen kam.
Weitere Textilunternehmen in Rothenthal
Neben Rother prägten auch andere Unternehmer die Textilgeschichte:
- Christian Friedrich Schimmel führte ebenfalls eine Kattundruckerei mit familiärer Prägung.
- Aurich & Co., gegründet von Christian Gottlieb August Aurich, entwickelte sich über Generationen weiter – bis ein Brand 1903 Teile der Anlage zerstörte.
- Serno, ein Kaufmann, organisierte den Vertrieb hochwertiger Wolle und Flachsprodukte.
Der Wandel zur mechanischen Weberei – Dietsch & Oehler
Die Firma Dietsch & Oehler begann 1843 mit Handwebstühlen in Greiz und verlagerte ihre Produktion später nach Rothenthal. Die Mechanisierung führte zu einer der bedeutendsten Wollenwebereien der Region, die bis weit in das 20. Jahrhundert unter wechselnden Eigentümern (u.a. VEB Textilia, VEB Greika) produzierte. Ab 1990 diente das Gelände kurzzeitig als „Oehler Gewerbepark“. Der Abriss begann 2002 – 2006 verschwand das letzte Gebäude.
Die Rothenthaler Mühle – Industrieller Umbau
Auch die ehemalige Rothenthaler Mühle spielte eine Rolle im Wandel. Ab 1802 errichtet, wurde sie später zur Dampfmühle und Sägewerk umgebaut. Unter Carl Hermann Weck und später als Firma C. H. Weck fusionierte sie mit einer Maschinenfabrik in Dölau. Nach Enteignung 1947 wurde daraus der VEB für Feuerungstechnik – bis zur Auflösung 1953.
Bildung und soziale Verantwortung
Trotz harter Arbeitsbedingungen wurde auch an Bildung gedacht: 1883 entstand auf Initiative von Fabrikbesitzer Eduard Oehler das erste zweistöckige Schulgebäude für Rothenthal und Dölau. Bereits 1870 war eine Fabrikschule genehmigt worden.